Was tun gegen den Klimawandel? Die gleichen Fragen an jeden von uns. Was sind Eure Antworten?

Gegen den Klimawandel: Ein paar Fragen für jeden.
Gegen den Klimawandel: Ein paar Fragen für jeden.

Es gibt mehr Handlungsfelder als fossile Treibstoffe, wenn wir gegen den Klimawandel ativ handeln wollen. Das Konzept einer Bilanz pflanzlicher Biomasse setzt 7 Handlungsfelder, die jeder von uns hat, in einen direkten Zusammenhang. Daraus leiten sich allgemeneingültige Handlungsprinzipien und ein überschaubarer Fragen-Katalog ab.

Für praktisch alles in unserem modernen Leben gibt es mehr oder weniger ressourcenschonende Varianten, die wir wählen können. Jeder hat nicht nur seine individuellen Gewohnheiten, sondern agiert auch mit sehr persönlichen Prioritäten in der eigenen und sogar fallspezifischen Situation. Anstatt spezifische Ratschläge für konkrete Produkte und Situationen zu geben, ist es sinnvoll, einige grundsätzliche Fragen zu verinnerlichen und diese sich immer wieder ins Gedächtnis zu rufen.
Je nach Situation und den konkreten Prioritäten kann, die Wahl mal auf das „eher bessere“ oder auch mal auf das „weniger tolle“ fallen. Wichtig ist, sich über die eigenen Gewohnheiten, deren Auswirkungen und möglichen Optionen im Vergleich bewusst zu werden.

„Das geht jetzt nicht anders!“ kann in vielen Situationen gut begründet sein und doch kann in einer anderen Situation die Antwort sein „Warum eigentlich nicht?“. Beispiel könnte sein, ob die Fahrt mit dem eigenen Auto, ganz bis ins Zentrum der nächsten großen Stadt sein muss oder ob wir auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen.

Die späte aufgezeigten Darstellungen sollen beide dazu anregen, darüber nachzudenken, wie wir unsere CO2-Emissionen, als Hauptursache für den Klimawandel, reduzieren können. Beide Darstellungen sind bewusst so formuliert, dass diese jeder in diesen unterschiedlichsten Rollen anwenden kann. Auch wenn sich der konkrete Blickwinkel etwas ändern wird, abhängig davon ob wir als Privatperson, als (Stadt-) Bürger bzw. Politiker, oder als Angestellter bzw. Chef darauf schauen, die Gedanken, die wir uns im einen Lebensbereich machen, trainieren uns für den anderen Bereich. Das gilt sowohl für das Wissen, als auch bei der Aufmerksamkeit bezüglich mehr oder weniger entscheidende bzw. beeinflussbare Aspekte in einem Thema.

Insgesamt geht es immer darum unser modernes Leben so zu gestalten wie wir es tun oder besser gesagt, das zu tun was uns wichtig ist und es zu tun in der Abwägung aller Aspekte, zum einen unserem Nutzen bzw. dem persönlichen Wert für uns und zum anderen auch den Auswirkungen, die unser Tun hat. 

Konzept einer Bilanz pflanzlicher Biomasse

Beide Darstellungen zu “Was jeder tun kann”, die weiter unten folgen, basieren auf dem Konzept einer Bilanz pflanzlicher Biomasse und beschreiben wie wir diese zielführend, hin zu weniger CO2 Emissionen beeinflussen können. Meist wird erstmal und hauptsächlich über dieses unsichtbare Gas CO2 gesprochen, das wir direkt oder indirekt erzeugen. Mit der Darstellung als Bilanz pflanzlicher Biomasse wird der Blick konsequent auf den Teil des Kohlenstoff-Kreislaufes gerichtet, womit wir alle täglich auch tatsächlich umgehen, also auf das, was wir wirklich „in der Hand haben“. So wird unser Handeln und unsere Optionen im wahrsten Sinne des Wortes greifbarer.

Die Bilanz pflanzlicher Biomasse für unseren Haushalt Erde besteht aus folgenden Bilanzposten bzw. Teilprozessen im Kohlenstoff-Kreislauf (in der folgenden Kurzbeschreibung liegt der Fokus auf dem Kreislauf auf Landflächen, um die Beschreibung kurz zu halten):

Auf der einen Seite, bei mir links, stehen die Erzeugung und Speicherung bzw. Lagerung der pflanzlichen Biomasse

  • Pflanzen produzieren zu Lande und im Wasser pflanzliche Biomasse, indem sie CO2 über den Prozess der Photosynthese und mit Hilfe von Sonnenlicht in unterschiedlichste Kohlenwasserstoffe umwandeln.
  • Als kurz und mittelfristige Speicher an pflanzlicher Biomasse bzw. Kohlenstoff ist etwa Holz, sowie auch sonstiges frisches und getrocknetes Pflanzenmaterial und daneben auch fruchtbare bzw. bewachsene Böden.
  • Langfristige Speicher an pflanzlicher Biomasse sind Torf bzw. Moore und eben auch all die typischen fossilen Ressourcen wie Braun- & Steinkohle, Erdöl und Erdgas. All diese fossile Biomasse wurde von Pflanzen vor Jahrmillionen aufgebaut und in einem langwierigen Prozess umgewandelt und unterschiedlich stark aufkonzentriert. Im Meer findet eine langfristige Kohlenstoff-Bindung auf 2 Arten statt: Biomasse (Kohlenwasserstoffe) sinkt in Tiefen ab und sammelt sich am Meeresboden, wo es es kaum mehr zersetzt wird. Ausserdem gibt es die Ablagerungen als Carbonat, bei der die Kalkschalen von vielerlei Organismen (Pflanzen und (Klein-) Tiere) ebenfalls absinken und sich als Sedimente am Meeresboden ansammeln. Immer ist auch hier Kohlenwasserstoffe aus pflanzliche Biomasse der Startpunkt der Verwertungskette

Unsere Nutzung von fossilem pflanzenbasierten Material als Treibstoff sprich Energieträger bedeutet also, dass wir heute, mit diesen fossilen Ressourcen, Speicher von Sonnenenergie nutzen, die unser Haushalt Erde, derzeit nicht selbst erwirtschaftet bzw. produziert. Das wiederum lässt lässt sich entsprechend so interpretieren, dass wir seit der Industrialisierung (Energie-) Kredite nutzen, die zwar Energie recht einfach verfügbar machen, deren Gesamtvolumen inzwischen jedoch toxisch im Sinne von destabilisierend auf unser Klima wirken. Diese Analogie ist uns in seiner Wirkungsweise aus unseren Wirtschaftssystemen ja heutzutage durchaus geläufig.

Auf der anderen Seite der Bilanz, bei mir auf der rechten, stehen die Nutzung und der Verbrauch pflanzlicher Biomasse

  • Wir nutzen frische pflanzliche Biomasse in vielfältiger Form: Etwa als Holz oder als Papier und auch als Kleidung, wenn diese aus Naturmaterialien wie Baumwolle und ähnlichem besteht.
    Daneben nutzen wir fossile Pflanzenmasse in Form von Kunststoffen in vielfältiger Weise.

Solange wir die Materialien und Produkte tatsächlich physisch nutzen, solange bleibt die pflanzliche Biomasse erhalten und das CO2 auch gebunden.

Wir verbrauchen pflanzliche Biomasse tatsächlich, wenn wir diese auf zwei unterscheidbare Prozesse in Gase umwandeln, beidesmal um die freiwerdende Energie zu nutzen: 

  • Biologisch setzen wir pflanzliche Biomasse als Nahrung und Tierfutter um. Entweder wir Menschen verwerten diese als pflanzliche Nahrung direkt, oder wir produzieren über den Zwischenschritt unserer Nutztiere wiederum Nahrungsmittel wie Milch, Eier und Fleisch, die wir dann verzehren.
  • In technischen Prozessen verbrennen wir pflanzliche Biomasse direkt (u.a. Öl, Holz) oder indirekt (u.a. Biogas) pflanzliche Biomasse zur Energiegewinnung. Diese Energie nutzen wir, um Produkte herzustellen, zu transportieren und zu nutzen. Außerdem nutzen wir die Energie unter anderem zum Heizen und für unsere eigene Mobilität.

Daneben gibt es, für die Bilanz quasi informell, noch Energiequellen für unser modernes Leben, die neutral bezüglich dieser Kohlenstoff Bilanz sind: Wind- und Solar-Energie (Photovoltaik und Wärme), sowie Atomstrom. Mit dem Blick auf unser eigentliches Ziel, nämlich unser modernes Leben zu leben und das möglichst ohne fossile Ressourcen zu verbrennen, sind diese jedoch entsprechend wichtig.

Die CO2 Konzentration, deren Anstieg derzeit destabilisierend bzw. erwärmend auf unser Klima wirkt, beeinflussen wir defacto durch alle sieben Handlungsfelder zugleich, das bedeutet wiederum auch, dass wir mit allen sieben Handlungsfeldern die CO2 Konzentration beeinflussen.

Die absolut überwiegende Menge, der seit Beginn der Industrialisierung verbrauchten, fossilen Ressourcen, verbrauchen wir in den westlichen Industrieländern für unsere Infrastruktur und unseren heutigen Lebensstil. 

Über die Energie zur Herstellung von Produkten und für deren Transport zu uns, wird immer Energie aufgewendet, egal ob das um die Ecke passiert, oder auf der anderen Seite der Erde und beides mal kann dabei auf verschiedene Varianten mehr oder weniger sorgsam mit der Energie umgegangen werden. Wir haben heutzutage meistens die Option etwas mehr oder weniger ressourcenschonend zu tun und sollten uns durchaus oft und immer öfter fragen ob wir dies oder jenes auch tatsächlich brauchen.

Konkrete Beispiele aus Bereichen wie Bauen, Wohnen und zu anderen Alltagsgegenstände, bis hin zur Mobilität sollen an anderer Stelle ausführlicher thematisiert werden.

Wichtig erscheint, dass über dieses Konzept alle Handlungsfelder unseres Lebens in einen konreten und direkten Zusammenhang gestellt werden, die für jeden von uns und immer mit konkretem Bezug zum eigenen Leben und zur direkten Lebensumgebung als relevant verdeutlicht werden.
So ist unter anderem eine Aussage, was im globalen Maßstab Gültigkeit hat, dessen Relevanz beginnt im Kleinen und es hat dieselbe Relevanz bei uns vor der Haustür, wie auch sonstwo auf der Welt. Das scheint wichtig, weil wir dazu neigen, zu trennen was bei uns und damit für uns relevant ist und was weit weg passiert oder passieren müsste. Unsere Wirkungsketten und Einlußwege reichen besonders heutzutage immer mehr oder weniger direkt einmal um den Erde.

Ein konkreter Aspekt ist die CO2 Bindung aus der Atmosphäre, hier gibt es die Bestrebungen technische Lösungen in großem industriellen Maßstab zu entwickeln.
Fakt ist jedoch, dass wir beireits eine einsetzbare Methode für CO2 Bindung (Carbon-Capturing) zur Verfügung haben und das sind Pflanzen. Diese Methode und resultierende Kenngrößen werden jedoch nicht als konkrete und explizite Steuerungsgröße genutzt. Es geht dabei also darum, die Produktivität an pflanzlicher Biomasse überall und auf allen Flächen zu steigern. Nutzen können wir die Pflanzenmasse auch jetzt schon für alles Mögliche, von Energiegewinnung bis zu materiallen Nutzung oder auch als natürliche Kohlenstoffspeicher.
Nicht nur in Brasilien und Indonesien werden Wälder gerodet, um die Fläche anders zu nutzen. Auch bei uns in Deutschland wird täglich eine Fläche in der Größe von etwa 10 Fußballfeldern versiegelt. Dem vorausgegangen war eine Umnutzung von Wald, teilweise über landwirtschaftlich genutzter Fläche hin zu Siedlungsfläche, also Verkehrswege, Gewerbe oder Siedlungsfläche. Hier besteht in der Tat derzeit eine Nutzungskonkurrenz der Flächen, zwischen Pflanzenwachstum und Kohlenstoff-Speicherung in Holz und Böden und unserem Flächenbedarf für Gebäude und Verkehrswege.

In der Flächennutzung haben wir auch bei uns noch viel Potenzial, diese optimiert auf die Kohlenstoff-Bindung und Speicherung zu bewirtschaften. Siedlungsflächen können zusätzlich zur derzeitigen Nutzung auch Biomasse produzieren. Dabei haben wir auch weitere, kaskadierende Nutzen, so suchen Städte händeringend und immer drängender nach Möglichkeiten die Wärmeinselbildung zu verringern. Hierzu bietet Stadtgrün eine sehr gute funktionale Lösung. Es lassen sich sehr gut Biomasse-Ströme viel stärker ausbauen, die dann unter anderem energetisch genutzt werden können.  

Erneuerbare Energie ist eine, oder sogar die entscheidende Engpassressource, dabei können für alle Technologien, die mit fossilen pflanzlichen Rohstoffen betrieben werden, durch frische pflanzenbasierte Energieträger ersetzt werden. Angefangen von Frischkohle (Fachjargon Biokohle) und auch Holz als direkter Brennstoff, flüssige Biotreibstoffe bis hin zu Biogas.  Lasst uns das tun. Im Baukasten zwischen Energieeffizienz, sparsamen Umgang (Ich nenne es Neue Einfachheit) ist auch dieser Ausbau der produktivität pflanzlicher Biomasse ein wichtiger Baustein.

In dieses Bilanz-Konzept ordnet sich ein anderer Aspekt unseres modernen Lebens als Energie und damit Kohlenstoff sparend ein, damit wird es zur weiteren Realisierung entsprechend umso drängender: Es ist die Circular Economy, also eine hochwertige Kreislaufwirtschaft, bei der Produkte und Geräte, konsequent für Material-Kreisläufe gestaltet und produziert werden, denn die Aufbereitung entsprechend konzipierter Materialien ist grundsätzlich deutlich sparsamer was den Energieeinsatz angeht. Ergänzend wirken hier auch Reparatur und Aufarbeitung durch modulare Bauweise, sowie die Sharing Economy und der Gebrauchtwaren Handel, denn hierüber kann mehr Nutzen je eingesetzter Energie für die Herstellung der Produkte erreicht werden.

Es ergeben sich zwei Darstellungen: „Was jeder tun kann“, beide sind auf ihre Weise vereinfachend und deshalb auch nicht zwingend deckungsgleich. Wichtiger Aspekt soll sein, dass die Prinzipien und Fragen recht allgemeingültig sein sollen, auch wenn jeder für eine konkrete Situation und Entscheidung Antworten spezifizieren muss.

Gegen den Klimawandel: Ein paar Fragen für jeden.
Gegen den Klimawandel: Ein paar Fragen für jeden.

Dafür bieten beide Darstellungen die ergänzende Chance auch Themen zu hinterfragen, die nicht direkt im eigenen Themenkomplex oder im direkten Verantwortungsbereich liegen.

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